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Eine Ära ist zu Ende

Renate Winkler prägte die Arbeit des Görlitzer Theater- und Musikverein seit 1990. Jetzt hat die frühere Lehrerin den Jüngeren die Bahn geebnet. Es sind große Fußstapfen, in die ihr Nachfolger Matthias Beier tritt.

Von Sebastian Beutler

Eine Ära ist zu Ende. Renate Winkler hat den Görlitzer Theater- und Musikverein über mehr als drei Jahrzehnte geprägt. Sie gehörte gleich dem ersten Vorstand an, der Ende November 1990 gewählt wurde und Jörg Ignatius zum Vorsitzenden bestimmte. Später unterstützte sie als Stellvertreterin den früheren Landeskirchenmusikdirektor Rolf Lammert, der zwischen 1994 und 1999 an der Spitze des Vereins stand. Und schließlich wählten die Mitglieder die einstige Lehrerin 1999 zur Vorsitzenden. Alle vier Jahre bestätigten die Mitglieder sie in dieser Funktion. Bis zum Montag vergangener Woche.

Wenn sie es gewollt hätte, wäre sie noch einmal gewählt worden. Doch sie wollte nicht, sondern Jüngeren den Vortritt lassen, den Generationswechsel vollziehen. So steht der freischaffende Künstler Matthias Beier als vierter Vorsitzender seit der Neugründung an der Spitze des Vereins und tritt, wie er selbst sagt, „in große Fußstapfen“.

Es sind nicht nur diese zweieinhalb Jahrzehnte, in denen Renate Winkler formal als Vorsitzende den Verein durch alle vereinsrechtlichen Klippen sicher manövrierte, sondern es ist das vielfältige Wirken, für die der Verein und sie selbst auch in der Öffentlichkeit stehen. Das fängt bei Spendeninitiativen für die neuen Stühle des Theaters oder einen neuen Vorhang oder eine neue Harfe oder einen neuen Flügel an, geht über die Wahl der Publikumslieblinge und die Ausgestaltung des Welttheatertages, der jedes Jahr am 27. März begangen wird, bis hin zu eigenen Veranstaltungsformaten wie den Theater-Stammtisch, Publikumsgespräche, Kammermusikreihen oder die Konzerte zum Jahresausklang in der Krypta der Peterskirche.

Die Aufzählung muss unvollständig bleiben angesichts der Vielzahl an Aktivitäten. Selten traf ein Wort so auf einen Verein zu wie auf den Theater- und Musikverein in den vergangenen Jahren, das der damalige Bürgermeister und vormalige Theater-Intendant Michael Wieler anlässlich der 25-Jahr-Feier des Vereins im Theater zitierte. Vereine seien „Selbstmotivation der Gesellschaft“ und bilden ein „zerebrales Netz“ über den Institutionen. Ob schon er diese Einsichten teilte, so stammen sie nicht von Wieler selbst, sondern vom Kultursoziologen Friedrich Tenbruck.

Und deswegen gehörte es für den Verein und seine Vorsitzende ganz selbstverständlich auch dazu, sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Da ging es vor allem um ausreichend Geld für den Betrieb des Theaters, aber auch um höchst umstrittene Inszenierungen. Beispielsweise 2004, als Roland May am Zittauer Schauspiel Shakespeares „Hamlet“ provokant auf die Bühne stellte.

Mit Matthias Beier folgt nun auf Renate Winkler ein regelmäßiger Theatergänger, ein Opernliebhaber, dessen Tochter Dramaturgin an der Staatsoper Hannover ist und dessen Frau als Musiklehrerin arbeitet und Cello im Niederschlesischen Kammerorchester spielt. Und der bislang mit seiner Kunst auf dem Stalag-Gelände in Zgorzelec sowie durch seine Mitarbeit an der Kulturhauptstadt-Bewerbung von Görlitz einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Der 56-Jährige, der selbst eine AG Künstlerische Fotografie an den beiden Görlitzer Gymnasien sowie der Oberschule Innenstadt lehrt, will zunächst einmal in die großen Fußstapfen hineinwachsen und Bewährtes fortführen, manches auch wiederbeleben.

An seiner Seite hat er eine illustre Gruppe im Vorstand. Beispielsweise den Generalvikar des Bistums, Markus Kurzweil, die Görlitzer Stadträtin Gabriele Kretschmer, die Rechtsanwältin Christina Bergert oder die Kulturmanagerin Agnieszka Bormann. Vor allem aber sorgt sein Stellvertreter Rolf-Thomas Lehmann für Kontinuität, denn diese Aufgabe füllte der Selbstständige auch schon in den vergangenen Jahren aus. Und ganz aus der Welt des Theaters ist auch Renate Winkler nicht. Ein großes Premierenabonnement hat sie ganz selbstverständlich für die kommende Spielzeit für sich und ihren Mann abgeschlossen.

 

 

 

Worauf wir stolz sind - Aus der Geschichte des TMV
Ein kurzer Rückblick

Name des Vereins

In den Wirren der Nachwendezeit fand die Gründungsversammlung des Vereins statt. Es gab heftige Diskussionen, ob Theater oder Musik im Namen an erster Stelle stehen solle. Auf Grund des damaligen Theatersterbens in den Altbundesländern entschied man sich für Görlitzer Theater- und Musikverein, kurz TMV. Es zeigt sich, dass in der gegenwärtigen Situation dieser Name für den Verein immer noch bedeutungsvoll ist. Am 28.September im Jahr 1990 wurde der TMV in das Vereinsregister mit der Nummer 204 eingetragen. Wenn ich an diese Diskussionen zurückdenke, sehe ich heftig um die gemeinsame Sache diskutierend, zwei Görlitzer Persönlichkeiten des Musiklebens vor mir: Diözese-Kirchenmusikdirektor Karl Jokisch und LKMD Rolf Lammert, der schließlich prägender Vorsitzender wurde.

 

Ausstrahlung in die Stadtpolitik

Seit dieser Zeit arbeitet Frau Renate Winkler im geschäftsführenden Vorstand mit, sie ist seit 1998 Vorsitzende. Die Jahre der Kulturhauptstadt-Bewerbung wurde für viele Mitglieder eine inspirierende und erfolgreiche Zeit. Es gelang, viele Bürger der Kultur näher zu bringen. In dieser Phase erfuhren wir eine große Unterstützung und strahlten in die Stadtpolitik aus. Sehr große Unterstützung und Wertschätzung erhielten wir durch Kulturbürgermeister Ulf Großmann, den Intendanten und späteren Bürgermeister Dr. Michael Wieler und GMD Eckehard Stier. Sie trugen kulturelle Impulse in die Stadtgesellschaft und wir unterstützten dies mit verschiedenen Formen. Als Klaus Arauner im Jahr 2008 die Leitung des Theaters übernahm, wussten wir, ein langjähriges Mitglied des TMV wird an der Spitze des Hauses mit seinen Mitteln um das Görlitzer Theater kämpfen. Ruhe, Stetigkeit und sein Bedürfnis nach Harmonie zeichneten ihn aus. Die Verbindung mit dem Theater in Zittau war politische Notwendigkeit und wurde ohne öffentlichen Lärm vollzogen  

Wir sind stolz darauf, dass wir ideell, später auch materiell viele Projekte angestoßen und bewältigt haben.

 

Mitglied bei MUTHEA

Seit dem Jahr 2000 sind wir Mitglied bei MUTHEA- Bundesvereinigung deutscher Musik- und Theaterfördergesellschaften e.V.. Frau Winkler arbeitete von 2006 bis 2022 im Vorstand und wir haben bisher als einziger Verein die Jahresversammlung von MUTHEA sehr erfolgreich zweimal (2004 und 2019) ausrichten dürfen. Dadurch haben wir die Kunde von einer wunderbaren Stadt und einem leistungsfähigen Musiktheater in die Bundesrepublik getragen. Gäste aus der gesamten Bundesrepublik lobten die Leistungen im Musiktheater, die hohe Qualität des Kinderkonzertes und die Wertschätzung für den TMV bei Gesprächen in der Stadt.

 

Wiederentdecker der Kammermusik

Der TMV galt seit 1995 als Verein, der der Kammermusik in Görlitz wieder einen besonderen Wert gab. Bei unserem ersten Kammerkonzert hatten wir das Gewandhaus-Quartett zu Gast, sehr unterstützt durch den Intendanten Prof. Wolf-Dieter Ludwig.  Viele weitere Konzerte folgten, Frau Winkler gestaltete für alle Konzerte die Werbung und betreute die Künstler oft persönlich. Dankbar denken wir zurück an die Bereicherung durch die Konzerte der Familie Stosiek, aber auch bewegende Konzerte von in- und ausländischen Kammerformationen, die uns über „den Tellerrand hinausschauen“ ließen.

 

Zusammenarbeit mit Partnern

Dankbar sind wir für eine langjährige Zusammenarbeit mit der INTERNATIONALEN STIFTUNG FÜR KULTUR UND ZIVILISATION, die uns besondere Konzerte mit international gefeierten Künstlern ermöglichte.

Geblieben sind von diesen musikalischen Höhepunkten die Konzerte am Silvestertag KLASSIK ZUM JAHRESAUSKLANG, das 25. Konzert fand am 31.12. 2022 statt

Seit dem Jahr 2000 währt die Freundschaft mit dem Ensemble BASSIONA AMOROSA, geleitet von Prof. Klaus Trumpf, dessen Ausbildung in Görlitz begann und den wir mit einem bewegenden Konzert im Oktober 2022 ehrten. Eine besondere Freundschaft verbindet uns mit Prof. Dr. Eckart Haupt, der auch in seiner Funktion im Sächsischen Kulturrat für das Theater Görlitz wirkte.

Neben diesen kulturellen Extras erlebten die Theaterfreunde viele Höhen und auch Tiefen im Theater. Seit dem Jahr 2000 ehrten wir nach Besucherbefragungen die Publikumslieblinge der Spielzeit. Frau Winkler sorgte für emotionale Momente als sie die Ehrennadel an die Künstler übereichen konnte. So freuten wir uns auch auf Diskussionen zu Inszenierungen, Einführungen mit den Dramaturgen, allen voran mit Ronny Scholz, wir saßen beim Theaterstammtisch im Restaurant Lucie Schulte zusammen, führten Theaterreisen zu umliegenden Häusern durch und verabschiedeten Künstler mit Wehmut und begrüßten die Neuen stets mit Vorfreude.

 

25jähriges Jubiläum

Zu unserem 25jährigen Jubiläum fassten wir unser Wirken in einer Broschüre zusammen. Sie wäre nie so informativ und vielseitig geworden, wenn die Grafikerin unseres Hauses Frau Anke Schulz-Micklich nicht geholfen hätte, das umfangreiche Material zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen.

Unser Jubiläum krönten wir mit der Auftragskomposition „Bridges“ von Stefan Schäfer, Hamburg Es ist ein Werk für Kontrabass- Quartett und Sinfonieorchester und wurde im 6. Sinfoniekonzert der Spielzeit 2015/16 in der Region uraufgeführt. (siehe Anlage 1).

 

Kauf von Instrumenten und Spendenaktionen

Inzwischen verfügten wir auch über Finanzen und leisteten manche materielle Hilfe bei Inszenierungen für kleine Extras oder Kostüme und in größeren Umfang, um dringend notwendige Instrumente zu kaufen. Für etwa mehr als 100 000 Euro (Neuwert) wurden Musikinstrumente gekauft, Sie sind in Besitz des TMV und werden von den Musikern gespielt.

Die erste Spendenaktion leiteten wir zum Erwerben neuer Theaterstühle und konnten am 26.09.2002 an das Kulturamt den Betrag von130.058 Euro zur Mitfinanzierung überweisen.  Es folgten der erfolgreiche Spendenaufruf für den Bühnenvorhang und für eine neue Konzertharfe

 

Kulturpolitische Arbeit

Erfolge und etwas Geld machen Mut und geben Sicherheit und wir mischten uns ins politische Geschehen um das Theater aktiv ein. Wir verfolgten schon seit Jahren die Vorschläge, die kulturelle Vielfalt in der Region den Sparzwängen anzupassen. Am 1.02.1999 wurden uns rigide Sparmaßnahmen in einem Podiumsgespräch im Theater erläutert. Es war traurig und einschneidend, aber das Theater überlebte. Ähnliche Hiobsbotschaften gab es nun in unregelmäßiger Folge.

Als im Doppelhaushalt 2011/2012 das Kulturraumgesetz unterhöhlt werden sollte, schrieb der TMV persönliche Briefe an alle Landtagsabgeordneten, um unseren Standpunkt zu vertreten.  Auf unsere Argumente gab es von den Landtagsabgeordneten aus allen Fraktionen positive Resonanz und die angekündigte Kürzung der Kulturraumförderung fiel moderater aus.

Da von Seiten der Politik die Förderung der Kultur mit einer gewissen Stetigkeit hinterfragt wird, mischten wir uns immer häufiger ein und die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung unterstützte unsere Anliegen in dankenswerter Weise.

Der Kampf wird weitergehen, leider! Wir suchen Verbündete und sorgen dafür, dass die kommunalen Theater ein Ort der Begegnungen und ein kultureller Mittelpunkt der Region bleiben. Die Podiumsdiskussion bei der MUTHEA-Tagung 2019 trug den Titel „Vergesst die Stadttheater nicht!“ Sie zeigte sehr anschaulich, keine Hochkultur wird auf Dauer erfolgreich sein ohne die kulturelle Bildung vor Ort.

 

Visionen

Lassen Sie mich für unser Theater meine Visionen äußern. Ich bin sehr froh darüber, dass wir das Haus – wenn auch mit Einschränkungen – nutzen können.

Mein Traum wäre es, dass nicht erst eine Ausweichspielstätte ertüchtigt werden muss und wieder zwei Jahre vergehen werden, ehe eine Sanierung vorangetrieben wird...Machen wir Görlitz zur bespielbaren Stadt mit vielfältigen angepassten Produktionen und sparen wir wertvolle Zeit!.           „Zeit ist Geld“, so stand es schon in meiner „Schlesier Fibel, „sie ist aber noch viel mehr wert, sie ist etwas Unersetzliches, Unwiederbringliches“.  

Obwohl es in der Pandemiezeit zu Einschränkungen unserer Aktivitäten kam, sind die Vorstandsmitglieder einheitlich der Meinung, dass viele der Projekte mit neuem Elan weitergeführt werden sollten.

Für mich persönlich war es eine schöne arbeitsreiche Zeit und ich begegnete großartigen Menschen voller Ideen und Ideale. Meine Zeit kann ich jetzt intensiver nutzen, entstandene Freundschaften zu pflegen und so manchen Künstler bei einem Konzert in naher Ferne zu besuchen.

Renate Winkler

 

Anlage

Bridges

Brücken lassen uns nicht gleichgültig. Als Bauwerke bezaubern sie oder versetzen uns in ehrfürchtiges Staunen. Sie sind nicht nur als Bauwerke präsent, sondern auch als Symbole und Bilder. Wir kennen sie aus Redewendungen: „goldene Brücken bauen“, „Brücken schlagen“, sie werden zu Metaphern. Alle Euroscheine zeigen auf einer Seite Brückensymbole aus Architekturstilen der europäischen Kulturgeschichte als Symbol und große Aussage.

Der Görlitzer Theater- und Musikverein hat für seine Auftragskomposition „Bridges“ als Symbol gewählt und der Hamburger Komponist Stefan Schäfer hat dies gern aufgegriffen. Wir danken damit den vielen Brückenbauer, denen wir in der Gesellschaft begegnen.

Wir widmen diese Komposition dem 25-jährige Jubiläum des Görlitzer Theater- und Musikvereins und dem 20-jährige Bestehen des Kontrabass-Ensemble BASSIONA AMOROSA unter Leitung von Prof. Klaus Trumpf.

Das Ensemble BASSIONA AMOROSA symbolisiert durch seine Musiker seit Jahren Brücken zwischen den Völkern. Die Musiker kommen meist aus Osteuropa, aber auch aus Japan, haben alle in München bei Prof. Klaus Trumpf studiert und arbeiten heute in verschiedenen Ländern Europas.

 Das Ensemble versteht es, Brücken zwischen Klassik und Unterhaltungsmusik zu schlagen und wurde dafür mit dem Echo- Klassik-ohne-Grenzen- Preis 2014 geehrt. Seit seiner Gründung im Jahr 1996 begeistert das Ensemble sein Publikum in Europa, Amerika und Asien.

Unsere Heimatstadt Görlitz ist eine Brückenstadt, die erfolgreich und stetig Brücken zum polnischen Nachbarn aufbaut, auf kulturellem als auch auf wirtschaftlichem Gebiet und durch viele persönliche Kontakte.

 Der Görlitzer Theater- und Musikverein e. V. schlägt Brücken zwischen den Künstlern des Theaters und dem Publikum. Dem Verein ist es durch jahrelanges Bemühen gelungen, die kammermusikalischen Aktivitäten neu zu beleben und vor allem durch die Konzerte zum Jahresausklang ein breites Publikum zu gewinnen. Heute hat die Kammermusik dank vieler verschiedener Initiativen wieder einen neuen Stellenwert in der Stadt.

Prof. Klaus Trumpf ist ein Sohn dieser Stadt und hat durch sein Wirken auch seine Heimatstadt in der Welt bei Konzerten und Wettbewerben bekannt gemacht.

Ich freue mich, dass diese Komposition im gesamten Kulturraum Oberlausitz/Niederschlesien zu hören sein wird, symbolisch für die vielen Brücken zwischen unseren Orten, auf die wir nicht verzichten können und wollen, weil sie uns stärker und reicher machen.

Renate Winkler

Tanztheater in Görlitz

Die neue Spielzeit soll die letzte in Görlitz sein für Dan Pelleg und Marko E Weigert.  Wir wünschen beiden eine erfolgreiche Spielzeit mit dem gesamten Ensemble und möchten den Theaterfreunden die großartige Rezension der Tanzpremiere Choris Voces -Tanzabend mit Kurzstücken zu deutschsprachiger Vokalmusik gern zugänglich machen.

Lieber Dan, lieber Marko wir wünschen euch eine gute Spielzeit hier bei uns in Görlitz und für eure Zukunft Erfolg und ein wenig Glück  und vor allem Freude bei der Arbeit und Gesundheit.

Renate Winkler

Tanzglück einer Sommernacht in Görlitz

Choris Voces“ – ein Tanzabend mit Kurzstücken zu deutschsprachiger Vokalmusik von und mit den 12 Tänzerinnen und Tänzern der Tanzkompanie, geleitet von Dan Pelleg und Marko E. Weigert.
Zwölf Uraufführungen auf dem Gelände der Görlitzer Obermühle an der Neiße.

 

Seit dem Wasserschaden, am 2. November letzten Jahres, ist das Görlitzer Theater geschlossen. Wann auf den weltbedeutenden Brettern wieder getanzt wird ist unklar.
Aber das Theater geht weiter, der Tanz auch, für Görlitz nun auch wieder nicht so ganz untypisch, an verschiedenen Orten der Stadt: Im historischen Kaufhaus: Musiktheater, getanzt wurde auch in der ehemaligen Synagoge, jetzt auf dem Gelände der Obermühle

Das aber hat mit dem Wasserschaden nichts zu tun. Der Tanz an diesem Ort, unter freiem Himmel, so wie am Abend der Premiere, im milden Zauber einer Sommernacht, sucht sich eben besondere Orte immer zum Abschluss der Saison. Das haben Dan Pelleg und Marko E. Weigert, die seit nunmehr12 Jahren die Tanzkompanie erfolgreich leiten und regen Publikumszuspruch gewinnen konnten, zu einer guten Tradition werden lassen.
Denn da haben sich zwei Künstler gefunden, die es vermögen, ganz unterschiedliche Formen und Traditionen des zeitgenössischen Tanzes miteinander zu verbinden. Dan Pelleg kommt aus Israel, von der Bathsheva-Dance-Company. Marko E. Weigert wurde in Dresden an der Palucca-Schule ausgebildet, zusätzlich in Leipzig. Beide begründeten in Berlin die Wee-Dance-Company.
Und so begann vor 12 Jahren an einem Städtischen Theater die tänzerische Verbindung der freien Szene mit traditionelleren Strukturen. Das kam bald an beim Publikum, vor allem beim jungen. Als dann der Tanz auch immer intensiver mit dem Musiktheater zusammen ging konnten nochmals ganz neue Gruppen des Publikums gewonnen werden konnten. Dies eben auch, nicht zuletzt, mit jenen Formaten wie denen des aktuellen Abends: kurze Stücke, größtenteils von den Tänzerinnen und Tänzern mit- und füreinander entwickelt und in choreografische Formen gebracht.

Die besondere Auswahl derMusik gibt das Motto vor: „Choris voces“ – „Tanzende Stimmen“ – zu Vokalmusik aus dem deutschsprachigen Raum, so bekannter Komponisten wie Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy, Wolfgang Amadeus Mozart oder Robert Schumann, als auch vielleicht weniger Bekannter, wie Max Reger, Carl Friedrich Zelter oder Johann Abraham Peter Schulz. So erstaunlich wie erfreulich, wie es insgesamt gelungen ist diese „tanzenden Stimmen“ sichtbar zu machen, hörbar dazu. Denn so, wie bei den genannten Komponisten, insbesondere in der Lied-Kunst der Romantik, diese inneren Stimmen hörbar werden, so werden sie in den tänzerischen Szenen, eben zu tanzenden Stimmen. Dabei werden die Inhalte der Musik in keiner Weise illustriert. Zudem gibt es bei der Auswahl mitunter höchst ungewöhnlicher Bearbeitungen scheinbar so bekannter Stücke, bei denen man ganz gerne schon mal mitsingen möchte, erstaunliche Überraschungen.

 

Es geht dann hier im Tanz nämlich eher um so etwas wie innere Vielstimmigkeit, durchaus nicht immer harmonisch, schon mal ganz schön disharmonisch, oder auch mit tanzenden Klängen bitterer Ironie.
Gleich zu Beginn, alle 12 Tänzerinnen und Tänzer, barfüßig, gekleidet als kämen sie gerade von der Straße, aus dem Kaffee, aus dem Supermarkt…und dann, „Die Gedanken sind frei..“ – das macht sichtbaren Spaß, hier nun nicht nur gedanklich fei zu sein, sondern in der Gruppe, deren Kraft eben so groß ist, weil sie die Freiheit der Einzelnen braucht und schützt.

Das geht im Tanz, vor allem auch, wenn hier 12 so herrlich individuelle Tänzerinnen und Tänzer zusammen finden, immer aber, ohne sich aufzugeben. Sie muten sich viel zu, mir als Zuschauer auch, wenn es dabei schon mal zu dramaturgisch nicht so ganz schlüssigen Szenen kommt, wenn gebotene Kürze eben – ganz sprichwörtlich – die Würze bringen würde, dann fällt das zwar auf, aber am Ende auch nicht zu stark ins Gewicht.

Es ist leider nicht möglich, auf alle Choreografien einzugehen, aber es gibt eben Szenen, in denen jeweils auf ganz spezielle Weise, jene inneren Stimmen zu tanzenden werden, wo Vielstimmigkeit der Musik und Vielstimmigkeit der Persönlichkeiten miteinander in den tänzerischen Dialog kommen. Und das, ein weiterer Pluspunkt des Abends, auch nicht ganz ohne Humor und Ironie. Neben wirklich berührendem Einsamkeitsempfinden in einer Szene von Elise de Heer, die sie mit Cesare Di Laghi tanzt, oder Viktoria Leschs Solo, ihr Tanz gegen den Tod, dann eben  ein so witziges wie skurriles Trio.

Drei Tagträumer oder Träumerinnen – diese Grenzen verschwimmen immer wieder – von Gilda De Vecchis, in langen Röcken:  tänzerische Mutproben, zu dem zu stehen, was eben unter den Röcken ist, oder auch nicht.
Die Kreation mit dem Titel des Abends, „Choris Voces“ führt die ganze Kompanie bei wechselndem Zusammenfinden, bei unterschiedlichen Formen des Tanzes, eben wie im tanzenden Widerklang innerer Stimmen, in so kraftvolle wie sensible Dynamik. Es folgt „Let´s duet“, Edgar Ioannis Avetikyan, gemeinsam getanzt mit  Filippo Nanucci: Ein glänzendes Duett, Tolle und kraftvolle Elemente der Street-Art-Dance-Kunst. Und das beinahe im Zwillingslook, schwarze Lack-Anzugsklamotten, zwei Fremde, zwei Freunde, auf der Suche nach sich, nach dem anderen, und das in einem fremden Land…„Wochenend und Sonnenschein“ mit den Comedian Harmonists..witziger Tiefgang: Masken ablegen, Glitzer auch, Hosen runter, gut so, schutzlos sind wir stark.
Und es ist auch toll zu sehen, wie Gilda De Vecchis und Efje van den Bergen ein herrliches Damensextett in luftigen Sommerkleidern tanzen lassen, ganz dem Anlass entsprechend, dem Ort, angemessen: Beschwingtheit einer Sommernacht. Und die Klischeefalle schlägt auch hier nicht zu.

Zum Finale, „Perpetuum Mobile“ – musikalischer Scherz von Johann Strauss, im Dialog mit dem der Comedian Harmonists. Da aber war ich dann leider schon auf dem Weg zum Bahnhof…Züge warten nicht, jedenfalls nicht bei der Abfahrt.
Aber im Zug dann, geht gar nicht anders, da waren sie präsent, diese inneren, tanzenden Stimmen, und mir war klar: Diese herrlichen Tänzerinnen und Tänzer haben sich ganz schön was zugemutet, mir auch, und das ist gut so.

Boris Gruhl

Sommerkonzert des Görlitzer Kirchenorchesters
am Sonntag, dem 2.Juli 2023, 17.00 Uhr

Am 02. Juli 2023 führt das Kirchenorchester um 17 Uhr sein diesjähriges Sommerkonzert in der Christuskirche Görlitz-Rauschwalde auf.

Programm

Edvard Grieg                    Holberg Suite Op.40

(1843-1907)

Johan Severin Svendsen      Isländische und Schwedische Volksweisen

(1840-1911)

Alexander Glasunow          Thema und Variationen für Streichorchester

(1865-1936)                                

Allessandro Marcello          Concerto d-Moll für Oboe , Streicher und Basso continuo

(1684-1750)     

Johann Pezel                     Suite aus „Delitiae musicales oder Lust-Music

(1639-1694)   

                  

Ausführende

Petra Voigt, Görlitz, Oboe

Fabian Kiupel, Görlitz, Cembalo

Görlitzer Kirchenorchester

Leitung

Reinhart Volke, Reichenbach

Sag „Ja“ zum Theater und lass Taten folgen


Gastbeitrag in der Sächsische Zeitung von 8.03.2023 von Renate Winkler vom Görlitzer Theater- und Musikverein.

Hier geht es um eine grundsätzliche Frage: Sagen wir Ja zu einem Stadttheater, wie es in Deutschland historisch gewachsen ist, dann muss das auch deutlich artikuliert werden. Das Görlitzer wurde im Jahr 1851 erbaut und wird seither finanziert, in guten und sehr schlechten Zeiten. Es ist das einzige Musiktheater mit Orchester und Ensemble zwischen den Metropolen Breslau und Dresden.

Die Görlitzer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verzichteten jahrelang auf mehr als 20 Prozent ihres Lohnes und hielten es so über Wasser. Das war notwendig und verdient von uns allen hohe Anerkennung.

Sie hätten dies nicht über eine so lange Zeit leisten können, wenn sie nicht gewusst oder gespürt hätten, dass ihrer Arbeitsstätte in der Zivilgesellschaft der Region eine besondere Rolle zukommt. Sie dürfen für ihre langjährige Loyalität am Ende nicht mit leeren Händen dastehen. Abfindungen für langjährige Beschäftigte dürften die fehlende Geldsumme bei Weitem übersteigen.Von zentralen Spielstätten aus kann Kultur in die Fläche unseres Landkreises strahlen. Das alles ist kein Selbstzweck. In den augenblicklichen breitgefächerten Meinungsäußerungen in der Gesellschaft, die vehement ausgetragen werden, ist Theater ein Ort zur Ruhe zu kommen, zu verweilen, um den Alltag zu befrieden.

Die Zuschauer diskutieren in kleinen Gruppen mit Menschen jedes Alters und aller gesellschaftlichen Schichten. Gepflegte Gespräche und empathische Meinungen werden ausgetauscht. Das ist etwas sehr Wichtiges, was im Theater passieren kann. Solche Orte braucht die Gesellschaft.

Also müssen kurzfristige, mittelfristige und langfristige Lösungen gefunden werden, der Unterfinanzierung vorzubeugen. Wir begrüßen alle die Anstrengungen im Rahmen des Strukturwandels, wissenschaftliche Institutionen anzusiedeln. Unsere Region muss attraktiv bleiben auch mit einem ausgewogenen Kulturangebot, damit Fachkräfte mit ihren Familien in unsere Region ziehen. Es braucht Visionen für die Entwicklung unserer Heimat, die alle Zuziehenden zum Bleiben einladen.

Das Musik- und das Tanztheater haben diese Potenziale, die kulturellen Kontakte zu den Nachbarn ohne Sprachbarrieren zu überwinden. Wo sich ein Austausch entwickelt, entsteht irgendwann ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Entscheiden wir uns für das Theater, dann muss der Verteilungskampf ums Geld in andere Bahnen gelenkt werden. Die Politik sollte sich offen zu weichen Standortfaktoren bekennen.

Der Landkreis Görlitz hat ein Theater, verteilt auf die beiden Hauptspielstätten Görlitz und Zittau sowie auf weitere Nebenschauplätze. Das haben andere Städte und Kreise auch zu bewältigen. Die längst überfälligen Lohnerhöhungen der Künstler sind auch von anderen Theatern zu schultern. Schauen wir über den Tellerrand hinaus: Wie gelingt es dort, angenehme und notwendige Aufgaben neben den Pflichtaufgaben zu bewältigen. Der Theater- und Musikverein, dem ich vorstehe, meint dazu: Alte und neue Gutachten helfen uns nicht weiter, da die Widersinnigkeit vieler Fakten längst besprochen wurde. Das Musiktheater samt Orchester zu schließen, ist einer Kulturnation unwürdig.

Die Kündigung von Mitarbeitern wäre höchstens eine mittelfristige Maßnahme, denn sie wirkt nicht sofort, verkleinert Struktur und Angebot nachhaltig und leitet ein langsames Sterben ein. Das alles wird nur gelöst, wenn das Problem der strukturellen Unterfinanzierung langfristig beseitigt wird. Ein klares Ja zum Theater muss mehr Geld in das System bringen: mehr Kulturraummittel, die es schon einmal gab, höhere Zahlungen der Gesellschafter oder Einbinden weiterer Gesellschafter. Ein Kulturraumtheater mit genau definierten selbstständig produzierenden Häusern und Produktionen, die auf allen Bühnen gezeigt werden können, sollte keine Utopie mehr bleiben.

Übrigens: Hochachtung vor der Bürde der Aufgaben, die Landrat Stephan Meyer zu schultern hat. Ich wünsche ihm visionäre Entscheidungen für unsere Region.

Die Autorin
Von Renate Winkler
Renate Winkler (85), engagiert sich seit Jahrzehnten leidenschaftlich für das Görlitzer Theater. Gebürtig noch in Breslau, ist sie Gründungsmitglied und Vorsitzende des Theater- und Musikvereins. Kultur ist für sie ein Lebensbedürfnis.
Das Musiktheater samt Orchester zu schließen, ist einer Kulturnation unwürdig, findet unsere Autorin. Sie appelliert an die Politik, sich offen zu weichen Standortfaktoren zu bekennen.

 

 

Quelle: Sächsische Zeitung, Lokalausgabe Niesky und das Neißeland | Erscheinungsdatum: 08.03.2023 | Seite: 14

Veranstaltungen

"Weihnachtskonzert des Görlitzer Kirchenorchester"

Sonntag, 17.12.2023, 17.00 Uhr

Christuskirche Görlitz-Rauschwalde

Werke von

Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi , Ottorino Respighi und Carl Reinecke

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kein "KLASSIK ZUM JAHERSAUSKLANG"

Aus zeitlichen Gründen kann dieses Jahr kein Konzert zum 31.12.23 durchgeführt werden.

Im nächstem Jahr planen wir dieses wieder wie gewohnt.

"Sommerkonzert des Görlitzer Kirchenorchesters"

am Sonntag, dem 2.Juli 2023, 17.00 Uhr

Programm:

  • Edvard Grieg 

  • Johan Severin Svendsen

  • Alexander Glasunow

  • Allessandro Marcello 

  • Johann Pezel 

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"LIEDER ZUM WELTTHEATERTAG"

Sonntag, 12.03.2022, 15.30 Uhr

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz | Foyer-Café

Mit Jenifer Lary, Sopran
Am Flügel: Olga Dribas

Wir freuen uns, Ihnen einen sehr persönlichen Liederabend mit der Sopranistin Jenifer Lary im Foyer- Café unseres Theaters als unsere Veranstaltung zum Welttheatertag 2023 (27. März) anbieten zu können und danken Ihnen damit für Ihre Treue zu Ihren Theater.

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"Weihnachtskonzert des Görlitzer Kirchenorchester"

Sonntag, 11.12.2022, 17.00 Uhr

Christuskirche Görlitz-Rauschwalde

Werken von
Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Alessandro Scarlatti

Andrea Scarlatti, Johann Christoph Petz, Max Reger

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"KLASSIK ZUM JAHERSAUSKLANG DAS 25. KONZERT"

Samstag, 31.12.2022, 15.00 Uhr

Kulturforum Görlitzer Synagoge

Klavierabend mit Aleksandra Mikulska

Der Erlös aus dem Konzert soll dem Theater zugute kommen.

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"Kontrabass-Ensemble BASSIONA AMOROSA"

Sonntag, 23.Oktober 2022, 16:00 Uhr

Festkonzert für Prof. Klaus Trumpf

Kulturforum Görlitzer Synagoge

Kartenvorverkauf:

An der Theaterkasse Görlitz
Tel.: 03581 474747

Restkarten in der Synagoge

Kartenpreis:

Kuppelsaal und Empore 1. Reihe 25 Euro
Empore 2. Reihe (Sichteinschränkung) 10 Euro

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"Jahreshauptversammlung 2021"

am Montag, dem 10..Oktober 2022, 18.00 Uhr

Foyer-Café des Theaters

Wie gewohnt stellen wir Ihnen mit einem musikalischen Programm neue Mitglieder des Ensembles vor.

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"Sommerkonzert des Görlitzer Kirchenorchesters"

am Sonntag, dem 19.Juni 2022, 17.00 Uhr

Programm:

  • Georg Philipp Telemann

  • Johann Wenzel Anton Stamitz

  • Niels Wilhelm Gade

  • Felix Weingartner

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"ERZÄHLWETTBEWERB"

zur Oper „Schneewittchen“ für junge Theaterfreunde

Eure Arbeiten können ab sofort bis 31.08.2022
unter dem Stichwort Erzählwettbewerb
eingeworfen, abgegeben oder gemailt werden:

  • Briefkasten des Gerhart-Hauptmann-Theaters, Demianiplatz 2
  • Theaterpädagogin Frau Miriam Walter
  • Theaterkassen
  • info(at)tmv-goerlitz.de

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Kontakt

Görlitzer Theater- und Musikverein e.V.
Vorsitzende: Herr Matthias Beier

Tel: 03581/875766
E-Mail: info(at)tmv-goerlitz.de

Schlaurother Str. 50
02827 Görlitz

Bankverbindungen:

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